Geschichte

DIE AMRISWILER KONZERTE - VON DEN ANFÄNGEN BIS 2011

Geschichte, Wesen, Besonderheiten, Daten und Zahlen


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Andre Manz

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Andre, Irene Manz und Dai Kimoto

I. Allgemeines Im Jahre 1971 wurde der damals neu gewählte Amriswiler Organist André Manz von der evangelischen Kirchenbehörde ermuntert, eine Konzertreihe für Amriswil ins Leben zu rufen. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es in Amriswil nur sporadisch musikalische Veranstaltungen. Ein grösserer, regelmässig durchgeführter Zyklus fehlte.

Die 1971 von André Manz und seiner Frau Irène aufgebaute Konzertreihe stand deshalb zunächst unter den Fittichen der evangelischen Kirchgemeinde, und sie trug den Namen „Musikalische Veranstaltungen der Evangelischen Kirchgemeinde Amriswil-Sommeri“. Finanziert wurden die Konzerte von der Kirchgemeinde und den Konzertkollekten.

Ein bedeutender Schritt in finanzieller Sicht geschah Mitte der siebziger Jahre, als ein Konzertfonds gegründet wurde, der jedes Jahr von freiwilligen Spenden von Musikliebhabern aus nah und fern gespiesen wurde und es bis heute wird. Als sich dann 1982 auch die politische Gemeinde Amriswil mit einem jährlichen Beitrag hinzu gesellte, wurde der Name der Konzertreihe in „Amriswiler Konzerte“ umgeändert. Dies nicht zuletzt, um auch die konfessionelle Ungebundenheit zu betonen.

Seit 1971 werden es bis zum Ende der laufenden Saison (2012/13) insgesamt 430 Konzerte sein, die statt gefunden haben – etliche aus Platzgründen mehrfach durchgeführt. 1977 kam ein neuer Zyklus hinzu, die „Orgelmusik zum Wochenende“, mit jährlich zehn Orgelrezitals, jeweils eine halbe Stunde an den Freitagabenden zwischen Oster- und Sommerferien. Dieses Jahr findet bereits der 37. Zyklus und damit das 370. dieser beliebten Rezitals mit namhaften in- und ausländischen OrganistInnen statt. Somit dürfen wir am Ende dieser Saison auf die stolze Gesamtzahl von 800 Veranstaltungen zurückblicken – die mehrfach geführten nicht gezählt!

Aus den bescheidenen Anfängen hat sich somit bald ein erfreulicher und breiter musikalischer Aufschwung in unserer Gemeinde entwickelt, der ständig grössere Kreise zog und bald alle Erwartungen übertraf. Die kulturelle Bedeutung der Amriswiler Konzerte strahlt heute weit über die Stadtgrenze hinaus und stellt anerkanntermassen mit jährlich durchschnittlich etwa fünfundzwanzig Veranstaltungen den bedeutendsten musikalischen Beitrag im Kulturleben des Oberthurgaus dar.

Seit 1982 hat sich die Struktur der jährlichen Saison wie folgt konsolidiert:
Um die zwölf Orchester-, Chor- und Solistenkonzerte finden zwischen Mitte September bis Ende August des Folgejahres statt. Ende April beginnt stets wie erwähnt der Orgelzyklus.

Beide Konzertreihen zeichnen sich durch zwei besondere Eigenschaften aus:

- Von wenigen Ausnahmen abgesehen finden sämtliche Konzerte bei freiem Eintritt statt, mit Kollekten zur Deckung eines Teils der jeweiligen Unkosten. Dieser Grundsatz wurde von allem Anfang an bewusst verfolgt – vor allem aus der Überlegung heraus, dass auch wirklich alle Bevölkerungsschichten Gelegenheit zur Teilnahme am musikalisch- kulturellen Leben haben können. (Näheres dazu unter V).

- Beide Konzertzyklen werden vornehmlich von MusikerInnen aus dem Thurgau oder den angrenzenden Gebieten bestritten. Daneben werden aber auch immer wieder renommierte KünstlerInnen aus aller Welt engagiert, sodass sich dem Publikum Vergleichsmöglichkeiten bieten, und die Attraktivität der Konzerte gewährleistet bleibt.

- Das Publikum setzte sich von Anfang an stets aus sämtlichen Bevölkerungsschichten und Altersgruppen zusammen, wobei auch der Anteil Jugendlicher gelegentlich positiv auffällt.

1978 konnte ein neuer Steinway-Flügel für das Kirchgemeindehaus angeschafft werden. Finanziert wurde er durch verschiedene, eigens dafür bestimmte Konzertkollekten, einem Sonderbeitrag der Kirchgemeinde und der Politischen Gemeinde sowie durch einige grosszügige private Spenden. Dieser prächtige Flügel dient seither nicht nur sämtlichen Konzertveranstaltungen im Kirchgemeindehaus sondern auch den Vortragsübungen der Jugendmusikschule Amriswil (JMSA) sowie kirchlichen Feiern und Anlässen anderer Institutionen.

Eine besondere Rolle in unserem Musikleben spielt natürlich auch immer wieder die 1974 umgebaute und neu intonierte Orgel in der Evangelischen Kirche, auf der bis 2011 nicht nur sämtliche Orgelkonzerte stattfinden sondern auch verschiedentlich Radio- und Schallplattenaufnahmen gemacht wurden.
II. Organisation der Konzerte Die künstlerische und organisatorische Leitung lag bis 2006, seit dem Beginn also während 35 Jahren, ausschliesslich in den Händen von André Manz und seiner Frau Irène, die für die Buchhaltung zeichnet. Ihnen zur Seite stand das Sekretariat der evangelischen Kirchgemeinde, wo der Programmdruck und -versand erledigt wurde.

Seit 1982, als die politische Gemeinde Mitträgerin der Konzertreihe wurde, bestand als übergeordnetes Organ eine Konzertkommission, die sich aus dem Stadtammann, einem Mitglied der evang. Kirchenvorsteherschaft sowie dem Ehepaar Manz zusammensetzte.

2008 erfolgte eine umfassende Reorganisation: Dank der kurz vorher erfolgten neuen Beteiligung der katholischen Kirchgemeinde wurde der Zyklus unter die Obhut des neugegründeten „Verein Amriswiler Konzerte“ gestellt. Dieser besteht jedoch nur aus dem Vorstand, weitere Mitglieder sind ein Vertreter der Stadt sowie sechs weitere Amtsträger. In den rechtskräftigen Statuten sind alle organisatorischen Details festgelegt.

Seit 2010 werden die umfangreichen Arbeiten der Künstlerische Leitung – u.a. wegen der neuen Internetaufschaltung – von einem übergeordneten Vereinspräsidenten koordiniert. Auch wurde der Orgelzyklus auf sechs Rezitals in der evang. Kirche und vier im August in der kath. Kirche aufgeteilt („Internationaler Amriswiler Orgelsommer“). Eine aus mehreren Helferinnen und Helfern bestehende Konzertgruppe besorgt das Verpacken und den Versand der Programme und die verschiedenen Dienste rund um die Konzerte (Verteilen der Programme, Einsammeln der Kollekte, etc.).
III. Allgemeine Programmrichtlinien Bei der Zusammenstellung des jährlich im September neu erscheinenden Generalprogramms sind eine möglichst grosse Vielfalt im Angebot sowie die Berücksichtigung qualifizierter einheimischer Ensembles und Künstler oberste Leitlinien.
So finden sich in jedem Jahresprogramm Chor- und Orchesterkonzerte, Orgel- und Kammermusikrezitals. Im Besonderen werden auch stets junge Nachwuchskünstler gefördert.

Auch finden immer wieder Veranstaltungen mit gehobener Unterhaltungsmusik statt wie zum Beispiel mit dem „Quantett Johannes Kobelt“, das seine bisher dreizehn Programme stets in Amriswil als Schweizer Première hatte. Ebenso regelmässige Gäste sind das Thurgauer Barockensemble mit seinen Opernproduktionen. Last but not least sei das alljährlich am vierten Adventswochenende stets zweimal aufgeführte Weihnachtskonzert der Musikgesellschaft Harmonie Amriswil erwähnt.
IV. Finanzielle Organisation Fünf Pfeiler sind es, die seit 1982 die Konzerte mit Beiträgen stützen:

- Jährlicher Beitrag der Politischen Gemeinde
- Jährliche Beiträge der Evang. und Kath. Kirchgemeinde
- Freiwillige Spenden von Gönnern
- Kollekten der einzelnen Konzerte
- Für besonders aufwändige Veranstaltungen werden der Kantonale Lotteriefonds und
ggf. verschiedene Sponsoren angegangen.

Diesen Einnahmen stehen folgende Ausgaben gegenüber:

- Sämtliche Honorare für die Ausführenden
- Druckkosten für das Generalprogramm und die jeweiligen Abendprogramme
- Inserate in den wichtigsten Tageszeitungen
- Porti für den Programmversand zu jedem einzelnen Konzert (ca. je 2000 Stück)
- Spesen wie Essen und Getränke für die Solisten, Blumen, Bankspesen, Trinkgelder, etc.
- Flügelstimmungen
- EDV (Adressenausdruck und Mutationen)
- Diverses

Besonders zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang, dass seit Beginn 1971 sämtliche organisatorischen und buchhalterischen Arbeiten vom Ehepaar Manz-Pomey unentgeltlich geleistet wurden. Die Arbeiten der beiden Organisten werden neu mit einem kleinen Beitrag entlöhnt.
V. Warum fast alle Konzerte bei freiem Eintritt? Wie bereits erwähnt, werden fast alle Konzerte bei freiem Eintritt durchgeführt. Man kann sich mit gutem Recht fragen, ob es nicht angebracht wäre, dieses Prinzip aufzugeben und in Zukunft feste Eintrittspreise zu erheben.
In den Gründerjahren wurde dies einige Male praktiziert. Der „Erfolg“ dabei war, dass etwa die Hälfte der üblichen Besucher erschien, das finanzielle Resultat aber fast dasselbe war wie bei den Konzerten mit freiem Eintritt und doppelter Zuhörerzahl. Vor allem war ein drastischer Rückgang bei Jugendlichen und Rentnern zu beobachten.
Bei einer Erhebung von festen Eintrittspreisen könnte in Zukunft auch kaum mehr mit Gönnerbeiträgen gerechnet werden, zu deren Motivation für ihre Spenden nachweislich auch der freie Eintritt gehört.
Der Hauptgrund der Überlegungen der Veranstalter aber lag und liegt darin, dass die Konzerte möglichst gut besucht werden, und dies von allen Bevölkerungsschichten.
Die bisherige Tradition des freien Eintritts gibt ihnen zweifellos recht, denn bei kaum einem Konzert liess sich je über schlechten Besuch und damit über grosse finanzielle Rückschläge klagen. Dass der Besuch der Orgelkonzerte in den letzten Jahren markant zurückgegangen ist, liegt leider im Trend der Zeit!
Bestärkt werden die Veranstalter auch immer wieder von den vielen schriftlichen und mündlichen Dankesbezeugungen von verschiedensten Seiten. Sie drücken aus, dass es für viele BesucherInnen nur dank des freien Eintrittes möglich ist, die Konzerte regelmässig zu besuchen.
Ausserdem hat es sich in den vergangenen 40 Jahren derart eingebürgert, dass in Amriswil die meisten Konzerte unentgeltlich sind, sodass ein Rückzug auf feste Eintritte überhaupt nicht mehr in Frage kommt, ganz abgesehen vom zusätzlichen organisatorischen Aufwand, den feste Eintritte unausweichlich mit sich bringen würden.

• Zusammenfassend kann die Frage nach der Art der Eintritte so auf den Punkt gebracht werden:

Warum feste Eintrittspreise, wenn bei freiem Eintritt gleichviel Geld in der Kasse ist, aber doppelt so viele ZuhörerInnen erscheinen?!
VI. Kirche und Kultur Spätestens seit dem frühen Mittelalter erachtete es die christliche Kirche als selbstverständlich, Kultur im weitesten Sinne als festen Bestandteil ihrer Verkündigung zu integrieren. So entstanden während aller Jahrhunderte weltweit prächtige Bauwerke, zu deren Verwirklichung nicht nur keine Mittel gescheut wurden, sondern stets die besten Künstler (Architekten, Bauleute, Maler usw.) verpflichtet wurden.
So war und ist es auch mit der Musik. Nicht nur, dass unzählige Komponisten kirchenmusikalische Werke schufen, die Kirchen waren und sind seit je Zentren musikalischer Veranstaltungen – von den grossen ganzjährigen Konzertreihen, die in den (gross-)städtischen Kathedralen und Kirchen stattfinden bis hin zu den oft entlegensten Dörfern, die während der Touristensaison ihre musikalischen Veranstaltungen meist in der Kirche durchführen. Denn es sind ja gerade die Kirchen, deren schöne und akustisch meist hervorragende Räume prädestiniert sind für stimmungsvolle Konzerte. Es ist somit festzuhalten, dass Kirche und Kultur und deren Vermittlung untrennbar zusammengehören.
So darf auch Amriswil zurückblicken auf heute 40 Jahre musikalischer Veranstaltungen, die unzähligen Menschen Freude und Erbauung geschenkt haben. Darüber hinaus wurde dadurch auch ein grosser Teil unvergänglicher abendländischer Musikkultur Menschen verschiedener Generationen erschlossen.

„Der schönsten und herrlichsten Gaben Gottes eine ist die Musica“, schwärmte einst Martin Luther. Möge diese schöne und herrliche Gabe Gottes auch weiterhin in unseren Kirchen Gemüt und Seele der Menschen erfreuen!


Amriswil, 20. Januar 2012
André Manz
Autor: Thomas Haubrich     Bereitgestellt: 06.05.2014    
 
Evangelische Kirchgemeinde Amriswil-Sommeri – Katholische Kirchgemeinde Amriswil – Stadt Amriswil